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Glossar

Alle wichtigen Begriffe rund um Unternehmensnachfolge, Bewertung und M&A — kurz und verständlich erklärt.

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1

100-Tage-Plan

Integration & Übergabe

Strukturierter Plan des neuen Eigentümers für die erste Phase nach dem Closing: Prioritäten, Kommunikation, Quick Wins, Wachstumsmaßnahmen. Schafft Klarheit intern und extern.

A

Asset Deal

Transaktion & Prozess

Kauf einzelner Vermögenswerte (Maschinen, Kundenstamm, Marken, Verträge) statt der Anteile. Gibt dem Käufer mehr Kontrolle über das, was er übernimmt — und was nicht.

B

Betriebsübergang

Recht & Verträge

Beim Kauf eines Unternehmens oder Betriebsteils gehen Arbeitsverhältnisse automatisch auf den Käufer über. Mitarbeiter können widersprechen, aber Kündigungen wegen des Übergangs sind unzulässig.

Buchwert

Unternehmensstruktur

Wert eines Vermögensgegenstands in der Bilanz nach Abzug der Abschreibungen. Oft deutlich unter Marktwert.

C

Carve-Out

Transaktion & Prozess

Abtrennung eines Unternehmensteils aus einer größeren Einheit, um ihn separat zu verkaufen.

Closing

Transaktion & Prozess

Vollzug der Transaktion: Anteile oder Vermögenswerte gehen über, Kaufpreis wird gezahlt. Ab Closing ist das Unternehmen wirtschaftlich und rechtlich beim Käufer.

Commercial Due Diligence

Due Diligence

Prüfung von Markt, Wettbewerb, Kundenstruktur und Geschäftsmodell. Beantwortet: Ist das Wachstum nachhaltig? Wie stark ist die Marktstellung?

D

Datenraum

Due Diligence

Gesicherter digitaler Bereich, in dem der Verkäufer alle Unterlagen für die Due Diligence bereitstellt. Zugang nur für qualifizierte, NDA-gebundene Interessenten.

Deckungsbeitrag

Bewertung & Finanzen

Umsatz minus variable Kosten. Zeigt, wie viel ein Produkt oder eine Leistung zur Deckung der Fixkosten und zum Gewinn beiträgt.

Discounted Cash Flow

Bewertung & Finanzen

Bewertungsverfahren, das zukünftige Cashflows auf den heutigen Wert abdiskontiert. Kommt bei größeren oder wachstumsstarken Unternehmen zum Einsatz.

Due Diligence

Due Diligence

Sorgfältige Prüfung des Unternehmens durch den Käufer vor dem Kauf. Umfasst finanzielle, rechtliche, steuerliche und operative Bereiche. Ziel: Risiken verstehen, Kaufpreis validieren.

E

EBIT

Bewertung & Finanzen

Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Earnings Before Interest and Taxes). Zeigt die Ertragskraft nach Abschreibungen — anders als EBITDA berücksichtigt es den Wertverzehr von Anlagevermögen.

EBITDA

Bewertung & Finanzen

Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization). Die wichtigste Kenngröße bei der Unternehmensbewertung, weil sie die operative Ertragskraft zeigt — unabhängig von Finanzierungsstruktur und Abschreibungspolitik.

Beispiel

Umsatz 5 Mio. €, Kosten 4 Mio. €, Abschreibungen 0,2 Mio. € → EBITDA = 1 Mio. €, EBIT = 0,8 Mio. €

EBITDA-Bereinigung

Bewertung & Finanzen

Anpassung des EBITDA um einmalige, nicht-operative oder inhaberbedingte Positionen. Käufer bereinigen, um das „normale“ Ergebnis zu ermitteln, das auch unter neuer Führung erzielbar wäre.

Beispiel

Einmalige Beratungskosten für den Verkaufsprozess, privat genutzte Firmenfahrzeuge, überhöhtes Inhabergehalt — diese werden herausgerechnet.

EBITDA-Multiplikator

Bewertung & Finanzen

Faktor, mit dem das EBITDA multipliziert wird, um den Unternehmenswert zu schätzen. Typische Bandbreiten: 3–5× für kleine Unternehmen, 6–10× für mittlere, je nach Branche und Qualität.

Beispiel

EBITDA 1 Mio. € × Faktor 5 = Enterprise Value 5 Mio. €

Earn-Out

Transaktion & Prozess

Kaufpreiskomponente, die vom zukünftigen Unternehmensergebnis abhängt. Der Verkäufer erhält zusätzliche Zahlungen, wenn definierte Ziele erreicht werden. Überbrückt Bewertungsdifferenzen.

Beispiel

Festpreis 3 Mio. € + bis zu 1 Mio. € Earn-Out, wenn EBITDA im Folgejahr ≥ 800 T€

Enterprise Value

Bewertung & Finanzen

Gesamtwert des Unternehmens als Ganzes — unabhängig von der Finanzierungsstruktur. EV = Eigenkapitalwert + Nettofinanzverbindlichkeiten.

Equity Value

Bewertung & Finanzen

Wert des Eigenkapitals nach Abzug der Nettofinanzverbindlichkeiten. Das ist der Betrag, den ein Käufer tatsächlich an den Verkäufer zahlt.

Beispiel

EV 5 Mio. € − Bankschulden 1 Mio. € + Cash 0,2 Mio. € = Equity Value 4,2 Mio. €

Ertragswertmethode

Bewertung & Finanzen

Bewertungsverfahren, das den Unternehmenswert aus den nachhaltig erzielbaren Gewinnen ableitet. Verbreitete Methode bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern.

Exklusivität

Transaktion & Prozess

Im LOI vereinbarte Periode, in der der Verkäufer keine Gespräche mit anderen Interessenten führt. Gibt dem Käufer Sicherheit für die Due-Diligence-Investition. Typisch: 4–8 Wochen.

F

Family Office

Käufertypen

Vermögensverwaltung einer wohlhabenden Familie, die direkt in Unternehmen investiert. Oft langfristig orientiert, weniger exit-getrieben als klassische PE-Fonds.

Financial Due Diligence

Due Diligence

Prüfung der Finanzen: Jahresabschlüsse, EBITDA-Entwicklung, Bereinigungen, Working Capital, Cashflow, Bilanzpositionen. Meist durch einen Wirtschaftsprüfer durchgeführt.

Finanzinvestor

Käufertypen

Investiert mit dem Ziel einer Rendite innerhalb von 3–7 Jahren. Fokus auf Cashflow, Wachstumspotenzial und Exitfähigkeit. Oft mit Fremdkapital (Leverage) finanziert.

G

Garantien

Recht & Verträge

Zusicherungen des Verkäufers über den Zustand des Unternehmens (z. B. Richtigkeit der Bilanzen, keine wesentlichen Rechtsstreitigkeiten). Grundlage für Schadensersatzansprüche bei Verstößen.

H

Haftungshöchstbetrag

Recht & Verträge

Maximale Haftung des Verkäufers für Garantieverletzungen — meist als Prozentsatz des Kaufpreises vereinbart. Begrenzt das Nachtragsrisiko für den Verkäufer.

Beispiel

Cap = 20 % des Kaufpreises von 5 Mio. € → maximale Haftung 1 Mio. €

Holding

Unternehmensstruktur

Gesellschaft, die Anteile an anderen Gesellschaften hält. Steuerlich vorteilhaft beim Unternehmensverkauf: Gewinne aus dem Anteilsverkauf bleiben weitgehend steuerfrei (Schachtelprivileg).

I

Informationsmemorandum

Dokumente

Ausführliches Verkaufsdokument, das das Unternehmen für qualifizierte Käufer beschreibt: Geschäftsmodell, Markt, Finanzen, Team, Strategie. Wird nach NDA-Unterzeichnung übergeben.

Inhaberabhängigkeit

Integration & Übergabe

Grad, in dem ein Unternehmen auf die persönliche Anwesenheit und das Wissen des Inhabers angewiesen ist. Hohe Inhaberabhängigkeit erhöht das Risiko für Käufer und wirkt sich negativ auf den Kaufpreis aus.

Beispiel

Wenn alle wichtigen Kunden nur mit dem Inhaber sprechen und kein Mitarbeiter Angebote eigenständig erstellen kann.

K

Kapitaldienstfähigkeit

Bewertung & Finanzen

Fähigkeit des Unternehmens, aus seinem Cashflow die laufenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen zu bedienen. Zentrale Kennzahl für finanzierende Banken.

Kaufpreisanpassung

Transaktion & Prozess

Mechanismus, der den endgültigen Kaufpreis nach Closing anhand tatsächlicher Finanzkennzahlen (z. B. Working Capital, Net Debt) korrigiert. Schützt beide Seiten vor Abweichungen zum Stichtag.

KfW

Finanzierung

Kreditanstalt für Wiederaufbau — staatliche Förderbank mit zinsgünstigen Darlehen für Unternehmenskauf und Nachfolge (z. B. ERP-Gründerkredit Universell). Oft ergänzend zu Bankdarlehen.

L

Letter of Intent

Dokumente

Unverbindliche Absichtserklärung, die die wesentlichen Eckpunkte des geplanten Deals festhält (Kaufpreis, Struktur, Zeitplan). Exklusivität und Vertraulichkeit sind in der Regel verbindlich.

Leverage

Finanzierung

Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital. Bei fremdfinanzierten Käufen (Leveraged Buy-Out) wird das Unternehmen selbst als Sicherheit genutzt. Hoher Leverage erhöht Rendite — aber auch Risiko.

M

Management Buy-In

Käufertypen

Kauf durch eine externe Führungskraft, die das Unternehmen selbst leiten möchte. Häufigster Käufertyp bei KMU. Bringt frische Perspektive, braucht aber Einarbeitungszeit.

Management Buy-Out

Käufertypen

Kauf durch das bestehende Management des Unternehmens. Das Team kennt das Unternehmen, was die Einarbeitungsphase verkürzt und Risiken mindert.

Mezzanine-Kapital

Finanzierung

Finanzierungsform zwischen Eigen- und Fremdkapital (z. B. Nachrangdarlehen, stille Beteiligung). Teurer als Bankdarlehen, aber flexibler. Wird eingesetzt, wenn das Bankdarlehen nicht ausreicht.

N

Net Debt

Bewertung & Finanzen

Nettofinanzverbindlichkeiten: Bankschulden minus liquide Mittel. Brücke zwischen Enterprise Value und dem Equity Value — dem Preis, den der Käufer tatsächlich zahlt.

Non-Disclosure Agreement

Dokumente

Geheimhaltungsvereinbarung zwischen Verkäufer und potenziellem Käufer. Voraussetzung für den Zugang zu vertraulichen Unternehmensinformationen.

P

Pensionsverpflichtung

Unternehmensstruktur

Verpflichtung des Unternehmens zur Zahlung betrieblicher Altersrenten. Wird als Rückstellung bilanziert, kann aber erheblich höher sein — und ist häufig ein unterschätzter Deal-Killer.

R

Red Flag Report

Due Diligence

Kurzbericht nach erster Due-Diligence-Phase, der kritische Befunde zusammenfasst. Grundlage für Preisverhandlungen oder den Abbruch des Prozesses.

Rollover Equity

Käufertypen

Der Verkäufer behält nach dem Deal einen Minderheitsanteil am Unternehmen. Signalisiert Vertrauen und ermöglicht eine Beteiligung am zukünftigen Wachstum.

S

Schachtelprivileg

Recht & Verträge

Steuerliche Regelung, nach der Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalgesellschaftsanteilen durch eine Holdinggesellschaft nahezu steuerfrei sind. Wichtiger Grund, Unternehmensverkaufe über eine Holding zu strukturieren.

Share Deal

Transaktion & Prozess

Kauf der Gesellschaftsanteile (z. B. GmbH-Anteile). Der Käufer erwirbt das Unternehmen als Ganzes mit allen Rechten und Pflichten. Erfordert notarielle Beurkundung. Steuerlich für den Verkäufer oft attraktiv.

Share Purchase Agreement

Dokumente

Der eigentliche Kaufvertrag beim Share Deal. Regelt Kaufpreis, Garantien, Haftung, Closing-Bedingungen und alle weiteren Details. Notarielle Beurkundung erforderlich.

Signing

Transaktion & Prozess

Unterzeichnung des Kaufvertrags. Ab diesem Moment sind beide Parteien rechtlich gebunden. Signing und Closing können am selben Tag oder zeitlich versetzt stattfinden.

Strategischer Käufer

Käufertypen

Unternehmen, das durch den Kauf sein eigenes Geschäft erweitert — z. B. durch Marktzugang, Technologie oder Skaleneffekte. Oft bereit, höhere Multiples zu zahlen als Finanzinvestoren.

Substanzwertmethode

Bewertung & Finanzen

Bewertung auf Basis der Vermögenswerte (Maschinen, Immobilien, Vorräte, abzüglich Schulden). Für operative Unternehmen meist weniger relevant als der Ertragswert.

T

Tax & Legal Due Diligence

Due Diligence

Prüfung steuerlicher Risiken (offene Betriebsprüfungen, latente Steuern) und rechtlicher Risiken (Verträge, Rechtsstreitigkeiten, Compliance, Lizenzen).

Teaser

Dokumente

Anonymisierte Kurzübersicht über das Unternehmen — ohne Namensnennung. Dient dazu, erstes Interesse zu wecken, bevor eine NDA unterzeichnet wird.

Transition Services Agreement

Dokumente

Vereinbarung über die Unterstützung des Verkäufers nach dem Closing. Kann ein einfacher Beratervertrag sein, der Verfügbarkeit, Aufgaben und Vergütung regelt.

V

Verkäuferdarlehen

Transaktion & Prozess

Der Verkäufer lässt einen Teil des Kaufpreises als Darlehen beim Unternehmen stehen. Stärkt das Vertrauen des Käufers und der finanzierenden Bank, erhöht die Dealwahrscheinlichkeit.

W

Wettbewerbsverbot

Recht & Verträge

Vertragliche Verpflichtung des Verkäufers, nach dem Closing für eine definierte Zeit kein konkurrierendes Unternehmen zu gründen oder zu betreiben. Typisch: 2–3 Jahre, regional begrenzt.

Wirtschaftlicher Stichtag

Transaktion & Prozess

Datum, ab dem wirtschaftlich der Käufer Eigentümer ist — kann vom Closing-Datum abweichen und rückwirkend vereinbart werden, z. B. auf den 1. Januar des laufenden Jahres.

Beispiel

Closing im Oktober, Stichtag 1. Januar: Alle Gewinne des laufenden Jahres gehen auf den Käufer über.

Wissenstransfer

Integration & Übergabe

Systematische Übergabe von Know-how, Prozessen, Kundenbeziehungen und internem Wissen vom Verkäufer an den Käufer oder das Managementteam. Kritisch für den Erfolg der Übernahme.

Working Capital

Bewertung & Finanzen

Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten. Zeigt, wie viel Kapital im laufenden Betrieb gebunden ist. Käufer prüfen Working Capital, um die benötigte Betriebsliquidität zu verstehen.

Beispiel

Forderungen 800 T€ + Vorräte 400 T€ − kurzfristige Verbindlichkeiten 600 T€ = Working Capital 600 T€