Alle wichtigen Begriffe rund um Unternehmensnachfolge, Bewertung und M&A — kurz und verständlich erklärt.
Strukturierter Plan des neuen Eigentümers für die erste Phase nach dem Closing: Prioritäten, Kommunikation, Quick Wins, Wachstumsmaßnahmen. Schafft Klarheit intern und extern.
Kauf einzelner Vermögenswerte (Maschinen, Kundenstamm, Marken, Verträge) statt der Anteile. Gibt dem Käufer mehr Kontrolle über das, was er übernimmt — und was nicht.
Beim Kauf eines Unternehmens oder Betriebsteils gehen Arbeitsverhältnisse automatisch auf den Käufer über. Mitarbeiter können widersprechen, aber Kündigungen wegen des Übergangs sind unzulässig.
Wert eines Vermögensgegenstands in der Bilanz nach Abzug der Abschreibungen. Oft deutlich unter Marktwert.
Abtrennung eines Unternehmensteils aus einer größeren Einheit, um ihn separat zu verkaufen.
Vollzug der Transaktion: Anteile oder Vermögenswerte gehen über, Kaufpreis wird gezahlt. Ab Closing ist das Unternehmen wirtschaftlich und rechtlich beim Käufer.
Prüfung von Markt, Wettbewerb, Kundenstruktur und Geschäftsmodell. Beantwortet: Ist das Wachstum nachhaltig? Wie stark ist die Marktstellung?
Gesicherter digitaler Bereich, in dem der Verkäufer alle Unterlagen für die Due Diligence bereitstellt. Zugang nur für qualifizierte, NDA-gebundene Interessenten.
Umsatz minus variable Kosten. Zeigt, wie viel ein Produkt oder eine Leistung zur Deckung der Fixkosten und zum Gewinn beiträgt.
Bewertungsverfahren, das zukünftige Cashflows auf den heutigen Wert abdiskontiert. Kommt bei größeren oder wachstumsstarken Unternehmen zum Einsatz.
Sorgfältige Prüfung des Unternehmens durch den Käufer vor dem Kauf. Umfasst finanzielle, rechtliche, steuerliche und operative Bereiche. Ziel: Risiken verstehen, Kaufpreis validieren.
Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Earnings Before Interest and Taxes). Zeigt die Ertragskraft nach Abschreibungen — anders als EBITDA berücksichtigt es den Wertverzehr von Anlagevermögen.
Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Earnings Before Interest, Taxes, Depreciation and Amortization). Die wichtigste Kenngröße bei der Unternehmensbewertung, weil sie die operative Ertragskraft zeigt — unabhängig von Finanzierungsstruktur und Abschreibungspolitik.
Umsatz 5 Mio. €, Kosten 4 Mio. €, Abschreibungen 0,2 Mio. € → EBITDA = 1 Mio. €, EBIT = 0,8 Mio. €
Anpassung des EBITDA um einmalige, nicht-operative oder inhaberbedingte Positionen. Käufer bereinigen, um das „normale“ Ergebnis zu ermitteln, das auch unter neuer Führung erzielbar wäre.
Einmalige Beratungskosten für den Verkaufsprozess, privat genutzte Firmenfahrzeuge, überhöhtes Inhabergehalt — diese werden herausgerechnet.
Faktor, mit dem das EBITDA multipliziert wird, um den Unternehmenswert zu schätzen. Typische Bandbreiten: 3–5× für kleine Unternehmen, 6–10× für mittlere, je nach Branche und Qualität.
EBITDA 1 Mio. € × Faktor 5 = Enterprise Value 5 Mio. €
Kaufpreiskomponente, die vom zukünftigen Unternehmensergebnis abhängt. Der Verkäufer erhält zusätzliche Zahlungen, wenn definierte Ziele erreicht werden. Überbrückt Bewertungsdifferenzen.
Festpreis 3 Mio. € + bis zu 1 Mio. € Earn-Out, wenn EBITDA im Folgejahr ≥ 800 T€
Gesamtwert des Unternehmens als Ganzes — unabhängig von der Finanzierungsstruktur. EV = Eigenkapitalwert + Nettofinanzverbindlichkeiten.
Wert des Eigenkapitals nach Abzug der Nettofinanzverbindlichkeiten. Das ist der Betrag, den ein Käufer tatsächlich an den Verkäufer zahlt.
EV 5 Mio. € − Bankschulden 1 Mio. € + Cash 0,2 Mio. € = Equity Value 4,2 Mio. €
Bewertungsverfahren, das den Unternehmenswert aus den nachhaltig erzielbaren Gewinnen ableitet. Verbreitete Methode bei Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern.
Im LOI vereinbarte Periode, in der der Verkäufer keine Gespräche mit anderen Interessenten führt. Gibt dem Käufer Sicherheit für die Due-Diligence-Investition. Typisch: 4–8 Wochen.
Vermögensverwaltung einer wohlhabenden Familie, die direkt in Unternehmen investiert. Oft langfristig orientiert, weniger exit-getrieben als klassische PE-Fonds.
Prüfung der Finanzen: Jahresabschlüsse, EBITDA-Entwicklung, Bereinigungen, Working Capital, Cashflow, Bilanzpositionen. Meist durch einen Wirtschaftsprüfer durchgeführt.
Investiert mit dem Ziel einer Rendite innerhalb von 3–7 Jahren. Fokus auf Cashflow, Wachstumspotenzial und Exitfähigkeit. Oft mit Fremdkapital (Leverage) finanziert.
Zusicherungen des Verkäufers über den Zustand des Unternehmens (z. B. Richtigkeit der Bilanzen, keine wesentlichen Rechtsstreitigkeiten). Grundlage für Schadensersatzansprüche bei Verstößen.
Maximale Haftung des Verkäufers für Garantieverletzungen — meist als Prozentsatz des Kaufpreises vereinbart. Begrenzt das Nachtragsrisiko für den Verkäufer.
Cap = 20 % des Kaufpreises von 5 Mio. € → maximale Haftung 1 Mio. €
Gesellschaft, die Anteile an anderen Gesellschaften hält. Steuerlich vorteilhaft beim Unternehmensverkauf: Gewinne aus dem Anteilsverkauf bleiben weitgehend steuerfrei (Schachtelprivileg).
Ausführliches Verkaufsdokument, das das Unternehmen für qualifizierte Käufer beschreibt: Geschäftsmodell, Markt, Finanzen, Team, Strategie. Wird nach NDA-Unterzeichnung übergeben.
Grad, in dem ein Unternehmen auf die persönliche Anwesenheit und das Wissen des Inhabers angewiesen ist. Hohe Inhaberabhängigkeit erhöht das Risiko für Käufer und wirkt sich negativ auf den Kaufpreis aus.
Wenn alle wichtigen Kunden nur mit dem Inhaber sprechen und kein Mitarbeiter Angebote eigenständig erstellen kann.
Fähigkeit des Unternehmens, aus seinem Cashflow die laufenden Zins- und Tilgungsverpflichtungen zu bedienen. Zentrale Kennzahl für finanzierende Banken.
Mechanismus, der den endgültigen Kaufpreis nach Closing anhand tatsächlicher Finanzkennzahlen (z. B. Working Capital, Net Debt) korrigiert. Schützt beide Seiten vor Abweichungen zum Stichtag.
Kreditanstalt für Wiederaufbau — staatliche Förderbank mit zinsgünstigen Darlehen für Unternehmenskauf und Nachfolge (z. B. ERP-Gründerkredit Universell). Oft ergänzend zu Bankdarlehen.
Unverbindliche Absichtserklärung, die die wesentlichen Eckpunkte des geplanten Deals festhält (Kaufpreis, Struktur, Zeitplan). Exklusivität und Vertraulichkeit sind in der Regel verbindlich.
Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital. Bei fremdfinanzierten Käufen (Leveraged Buy-Out) wird das Unternehmen selbst als Sicherheit genutzt. Hoher Leverage erhöht Rendite — aber auch Risiko.
Kauf durch eine externe Führungskraft, die das Unternehmen selbst leiten möchte. Häufigster Käufertyp bei KMU. Bringt frische Perspektive, braucht aber Einarbeitungszeit.
Kauf durch das bestehende Management des Unternehmens. Das Team kennt das Unternehmen, was die Einarbeitungsphase verkürzt und Risiken mindert.
Finanzierungsform zwischen Eigen- und Fremdkapital (z. B. Nachrangdarlehen, stille Beteiligung). Teurer als Bankdarlehen, aber flexibler. Wird eingesetzt, wenn das Bankdarlehen nicht ausreicht.
Nettofinanzverbindlichkeiten: Bankschulden minus liquide Mittel. Brücke zwischen Enterprise Value und dem Equity Value — dem Preis, den der Käufer tatsächlich zahlt.
Geheimhaltungsvereinbarung zwischen Verkäufer und potenziellem Käufer. Voraussetzung für den Zugang zu vertraulichen Unternehmensinformationen.
Verpflichtung des Unternehmens zur Zahlung betrieblicher Altersrenten. Wird als Rückstellung bilanziert, kann aber erheblich höher sein — und ist häufig ein unterschätzter Deal-Killer.
Kurzbericht nach erster Due-Diligence-Phase, der kritische Befunde zusammenfasst. Grundlage für Preisverhandlungen oder den Abbruch des Prozesses.
Der Verkäufer behält nach dem Deal einen Minderheitsanteil am Unternehmen. Signalisiert Vertrauen und ermöglicht eine Beteiligung am zukünftigen Wachstum.
Steuerliche Regelung, nach der Gewinne aus dem Verkauf von Kapitalgesellschaftsanteilen durch eine Holdinggesellschaft nahezu steuerfrei sind. Wichtiger Grund, Unternehmensverkaufe über eine Holding zu strukturieren.
Kauf der Gesellschaftsanteile (z. B. GmbH-Anteile). Der Käufer erwirbt das Unternehmen als Ganzes mit allen Rechten und Pflichten. Erfordert notarielle Beurkundung. Steuerlich für den Verkäufer oft attraktiv.
Der eigentliche Kaufvertrag beim Share Deal. Regelt Kaufpreis, Garantien, Haftung, Closing-Bedingungen und alle weiteren Details. Notarielle Beurkundung erforderlich.
Unterzeichnung des Kaufvertrags. Ab diesem Moment sind beide Parteien rechtlich gebunden. Signing und Closing können am selben Tag oder zeitlich versetzt stattfinden.
Unternehmen, das durch den Kauf sein eigenes Geschäft erweitert — z. B. durch Marktzugang, Technologie oder Skaleneffekte. Oft bereit, höhere Multiples zu zahlen als Finanzinvestoren.
Bewertung auf Basis der Vermögenswerte (Maschinen, Immobilien, Vorräte, abzüglich Schulden). Für operative Unternehmen meist weniger relevant als der Ertragswert.
Prüfung steuerlicher Risiken (offene Betriebsprüfungen, latente Steuern) und rechtlicher Risiken (Verträge, Rechtsstreitigkeiten, Compliance, Lizenzen).
Anonymisierte Kurzübersicht über das Unternehmen — ohne Namensnennung. Dient dazu, erstes Interesse zu wecken, bevor eine NDA unterzeichnet wird.
Vereinbarung über die Unterstützung des Verkäufers nach dem Closing. Kann ein einfacher Beratervertrag sein, der Verfügbarkeit, Aufgaben und Vergütung regelt.
Der Verkäufer lässt einen Teil des Kaufpreises als Darlehen beim Unternehmen stehen. Stärkt das Vertrauen des Käufers und der finanzierenden Bank, erhöht die Dealwahrscheinlichkeit.
Vertragliche Verpflichtung des Verkäufers, nach dem Closing für eine definierte Zeit kein konkurrierendes Unternehmen zu gründen oder zu betreiben. Typisch: 2–3 Jahre, regional begrenzt.
Datum, ab dem wirtschaftlich der Käufer Eigentümer ist — kann vom Closing-Datum abweichen und rückwirkend vereinbart werden, z. B. auf den 1. Januar des laufenden Jahres.
Closing im Oktober, Stichtag 1. Januar: Alle Gewinne des laufenden Jahres gehen auf den Käufer über.
Systematische Übergabe von Know-how, Prozessen, Kundenbeziehungen und internem Wissen vom Verkäufer an den Käufer oder das Managementteam. Kritisch für den Erfolg der Übernahme.
Umlaufvermögen minus kurzfristige Verbindlichkeiten. Zeigt, wie viel Kapital im laufenden Betrieb gebunden ist. Käufer prüfen Working Capital, um die benötigte Betriebsliquidität zu verstehen.
Forderungen 800 T€ + Vorräte 400 T€ − kurzfristige Verbindlichkeiten 600 T€ = Working Capital 600 T€